Nicht auf der grünen Wiese entwerfen, sondern dort arbeiten, wo Stadt sich derzeit verändert: Unter dem Titel „Platz da!“ verlagert die Summer School 2026 den Entwurfsprozess erstmals direkt ins Gelsenkirchener Quartier Ückendorf. Gemeinsam mit der Nachbarschaft entstehen Ideen und erste räumliche Prototypen für die Zukunft des ehemaligen Geländes der Diskothek „Exodos“.
Ausgangspunkt ist eine Leerstelle: Durch den weitgehenden Abriss des ehemaligen Exodos-Gebäudekomplexes entstand vor der „Kalten Halle“, dem letzten erhaltenen Teil des Ensembles, eine Baulücke. Dabei verschwanden nicht nur Baumaterialien und gebundene graue Energie, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte. Der neu entstandene Freiraum vor der „Kalten Halle“ wird zum Lern- und Arbeitsraum der Summer School. Hier entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam mit der Nachbarschaft Perspektiven für einen neuen Treffpunkt im Stadtteil.
Vom Abriss zum Treffpunkt
Im Zentrum steht die Frage, wie verantwortungsvolles Weiterbauen an einem ehemaligen Diskothekenstandort aussehen kann, an dem bereits vieles verloren gegangen ist. Gemeinsam mit Menschen aus dem Quartier untersuchen die Teilnehmenden die räumliche Situation nach dem Abriss, prüfen Möglichkeiten der Wiederverwendung vorhandener Materialien und entwickeln Entwürfe, die sich aus den Bedürfnissen und Perspektiven der Nachbarschaft heraus formen.
Zu Beginn erkundet die Summer School das Quartier bei Rundgängen und Gesprächen im Stadtteil Ückendorf – begleitet von Stimmen aus der Nachbarschaft, die ihre Sicht auf die Umgebung einbringen. Gemeinsam sammeln die Teilnehmenden Eindrücke, Erfahrungen und Perspektiven der Menschen vor Ort. Aus dieser Annäherung entstehen erste räumliche Fragestellungen und Entwurfsideen.

Im weiteren Verlauf entwickeln die Teilnehmenden ihre Entwürfe mit der Nachbarschaft weiter. Sie testen räumliche Ideen direkt vor Ort, greifen Anregungen aus dem Quartier auf und schärfen ihre Konzepte im Austausch.
Zum Ende der Woche werden ausgewählte Entwürfe als räumliche Prototypen umgesetzt. Die gebauten Versuche machen den zukünftigen Treffpunkt erstmals erfahrbar und zeigen, wie sich der Platz entwickeln könnte. Die Erfahrungen und Perspektiven der Nachbarschaft fließen dabei unmittelbar in die räumlichen Lösungen ein.
Drei Perspektiven – ein gemeinsamer Prozess
Drei Perspektiven prägen die Summer School 2026: das Weiterbauen nach dem Abriss, das Gestalten mit der Nachbarschaft und das zirkuläre Bauen mit wiederverwendeten Materialien. Sie greifen ineinander und werden im Entwerfen und Bauen unmittelbar erprobt.
Die Nachbarschaft ist dabei weit mehr als Gesprächspartnerin: Als Impulsgeberin prägt sie die Entwicklung des zukünftigen Treffpunkts mit ihren Erfahrungen, Perspektiven und Bedürfnissen. Gleichzeitig eröffnet die durch den Abriss entstandene Baulücke neue Möglichkeiten für gemeinschaftliche Nutzungen. Für die Umsetzung der räumlichen Prototypen kommen überwiegend wiederverwendete Baustoffe und Rückbaumaterialien aus der städtischen Baustoffbörse Gelsenkirchen zum Einsatz. So wird Kreislaufwirtschaft unmittelbar Teil des Entwurfs- und Bauprozesses.
Die Summer School wird von Baukultur NRW in Kooperation mit studio formagora (Münster) und Die Planergruppe (Essen) sowie in Zusammenarbeit mit der Stadterneuerungsgesellschaft (SEG) Gelsenkirchen und der Baustoffbörse Gelsenkirchen ausgerichtet.
Fachvorträge, Exkursionen und die Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus Planung, Verwaltung und Stadtgesellschaft verbinden Theorie und Praxis. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in aktuelle Herausforderungen des Weiterbauens und entwickeln ihre Entwürfe im direkten Austausch mit Expert*innen und lokalen Akteur*innen weiter.
Interdisziplinär arbeiten – gemeinsam gestalten
Die Summer School richtet sich an Studierende, Fachleute, Auszubildende und alle, die sich für Umbaukultur, Stadtentwicklung und Kreislaufwirtschaft interessieren. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen Perspektiven aus Planung, Gestaltung, Sozialwissenschaften, Handwerk, Anwohnerschaft und weiteren Bereichen.
Eingeladen sind unter anderem Interessierte aus den Bereichen:
- Architektur und Innenarchitektur
- Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung
- Stadt- und Raumplanung
- Bau- und Umweltingenieurwesen
- Design und Kunst
- Sozial- und Kulturwissenschaften
- Handwerk
- Immobilienmanagement und Nachhaltigkeit
- sowie alle, die sich für gemeinschaftliches Weiterbauen und zirkuläres Gestalten interessieren.
Anmeldung zur Summer School
Zur Teilnahme sind alle Interessierten eingeladen. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber keine Voraussetzung. Entscheidend ist das Interesse am gemeinsamen Arbeiten an den Themen Umbauen, Kreislaufwirtschaft und Stadtentwicklung.
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 30 Personen begrenzt. Die Bewerbung erfolgt über das Anmeldeformular auf dieser Seite mit einer kurzen Beschreibung von Motivation, Interessen und fachlichen Erfahrungen.
Bewerbungsschluss: 16. August
Nachbarschaftsprofis gesucht
Für die Summer School wird der Stadtteil Ückendorf bereits im Vorfeld aktiv einbezogen. Menschen aus der Nachbarschaft können sich als sogenannte „Nachbarschaftsprofis“ beteiligen und ihre Perspektiven auf den Ort einbringen. Sie begleiten den Prozess, teilen Erfahrungen aus dem Alltag und unterstützen dabei, weitere Menschen aus dem Quartier einzubinden.
Interessierte können sich bei Anke Kirchhoff unter , telefonisch unter 0209 402441-29 oder persönlich im UmBauLabor während der Öffnungszeiten (donnerstags von 15 bis 18.30 Uhr) melden. Das erste Treffen am Samstag, 29. August, ab 15 Uhr dient dem gegenseitigen Kennenlernen und der Abstimmung der weiteren Zusammenarbeit.






