In einer Reihe von Interviews kommen die aktuellen Mitglieder des Vereinsvorstandes von Baukultur NRW zu Wort und sprechen über ihre Vorstellungen von Baukultur, wichtige Zukunftsthemen und die Zusammenarbeit im Vorstand. Diesmal im Gespräch: Christoph Heidenreich, Stadtbaurat von Gelsenkirchen und stellvertretender Vorsitzender des Vereins Baukultur NRW.
Was bedeutet Baukultur für Sie heute?
Baukultur verbindet aus meiner Sicht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir müssen im Hier und Jetzt entscheiden, wie wir mit dem gebauten Erbe in unseren Städten und Gemeinden umgehen und wie wir die Zukunft gestalten wollen. Dabei geht es um mehr als nur um schöne Fassaden: Baukultur ist auch ein Abbild unserer Gesellschaft. Damit haben alle Entscheidungen zu unserer gebauten Umwelt Auswirkungen auf das Zusammenleben von Menschen, und das ist es, was mich als Stadtplaner antreibt – dieses Zusammenleben positiv zu gestalten.
Bauen im Bestand, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung prägen derzeit viele Debatten zur Baukultur. Welche weiteren Themen sind aus Ihrer Sicht entscheidend?
Wenn man aktuelle Nachrichten zu Bauthemen verfolgt, werden häufig Gegensätze aufgemacht: Profitmaximierung auf der einen Seite, Idealvorstellungen auf der anderen Seite. Wie so häufig im Leben hilft striktes Schwarz-Weiß-Denken dabei nicht weiter. Die Herausforderung besteht darin, beides miteinander zu verbinden: den gesellschaftlichen Nutzen mit der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Dementsprechend sind die Nutzung des Bestands, Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Bauen mit Sicherheit in der heutigen Zeit die bestimmenden Themen und es Bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit diesen. Die Maxime sollte immer sein, ein entsprechendes Handeln in den Vordergrund zu stellen, und trotzdem gibt es immer wieder Situationen und Projekte, in denen ein Neubau oder auch ein Abriss mit anschließenden Neubau die bessere Variante ist. Insofern sollte es auch immer die stadtentwicklungs- und gesamtgesellschaftliche Perspektive ins Auge gefasst werden.
Was ist Ihnen für die gemeinsame Arbeit im Vorstand von Baukultur NRW besonders wichtig?
Eine große Stärke des neuen Vorstandes von Baukultur NRW ist meines Erachtens der vielfältige Hintergrund seiner Mitglieder. Gemeinsam können wir Themen aus vielen Blickwinkeln betrachten und unsere jeweiligen Erfahrungswerte einbringen. Baukultur entsteht im Dialog, und der Vorstand von Baukultur NRW spiegelt genau das wieder.
Christoph Heidenreich ist Dipl.-Ing Stadtplaner AKNW sowie Technischer Beigeordneter und Stadtbaurat der Stadt Gelsenkirchen. Er begleitet mit der „Zukunftspartnerschaft Wohnen“ die Transformation des kommunalen Wohnungsmarktes ausgehend vom Umgang mit Problemimmobilien.

