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3 Fragen an ...
Isabel Finkenberger

Isabel Finkenberger ist Professorin für Stadtplanung, Transformation und Prozessgestaltung an der FH Aachen und seit November 2025 Teil des neu gewählten Vereinsvorstandes von Baukultur NRW. Im Interview spricht sie über die gesellschaftspolitische Seite von Baukultur, die Biodiversität und Schonung von Ressourcen sowie über Verantwortung bei der gemeinsamen Arbeit im Vorstand.

In einer Serie von Interviews kommen die aktuellen Mitglieder des Vereinsvorstandes von Baukultur NRW zu Wort und sprechen über ihre Vorstellungen von Baukultur, wichtige Zukunftsthemen und die Zusammenarbeit im Vorstand. Dieses Mal mit Isabel Finkenberger, Stadtplanerin und Professorin am Fachbereich Architektur der FH Aachen.

Was bedeutet Baukultur für Sie heute?

Isabel Finkenberger: Baukultur ist für mich eine transformative Praxis mit sozialer Verantwortung, die bestehende Kontexte und deren gemeinwohlorientierte, klimagerechte, kreislauffähige und ortsspezifische Weiterentwicklung als gemeinsamen Handlungsrahmen versteht. Sie ist für mich eine gesellschaftspolitische Haltung, in der öffentliche Räume, Architektur und Planungsprozesse zu Trägerinnen gesellschaftlicher Belange und damit zu wertvollen Ressourcen unseres Zusammenlebens werden. Und Baukultur ist für mich ein Resonanzraum, in dem wir komplexe räumliche Themen kollaborativ und koproduktiv miteinander verhandeln und umsetzen.

Bauen im Bestand, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung prägen derzeit viele Debatten zur Baukultur. Welche weiteren Themen sind aus Ihrer Sicht entscheidend?

Finkenberger: Über Bauen im Bestand, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hinaus sind für mich Biodiversität, Artenvielfalt und Klimaresilienz, ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell, das sozialen Grundbedürfnissen und planetare Grenzen als Leitplanken formuliert, neue Allianzen zwischen Planung, Ökonomie, Kultur und Zivilgesellschaft, der Umgang mit Unsicherheit in Planungsprozessen und bei der Umsetzung, eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik, (flächen-)suffiziente Praxen, der Alltag als Aufgabe, die Schönheit von Robustheit, Einfachheit und Bescheidenheit – und nicht zuletzt die Sicherung demokratischer Räume und Prozesse für eine Welt der Vielen zentrale Themen baukultureller Aushandlungsprozesse.

Was ist Ihnen für die gemeinsame Arbeit im Vorstand von Baukultur NRW besonders wichtig?

Finkenberger: Ich verstehe Hochschulen als wertvolle Ressourcen für eine transformative Planungskultur und als demokratische Räume, in denen wir in Forschung, Lehre und Praxis auf unterschiedlichen Maßstabsebenen einen kritischen und faktenbasierten Diskurs führen können. Wir suchen Systemwissen, Zielwissen und Transformationswissen zusammenzuführen, Experimentierräume zu eröffnen und als kleine, dynamische Beiboote Neues zu denken und zu erproben. Vor allem aber verstehe ich uns als Partnerinnen – der Region, der Kommunen, der Planungspraxis und der Zivilgesellschaft. Und so möchte ich auch meine Arbeit im Vorstand und mit dem ganzen Team von Baukultur NRW verstehen: als Partnerin eines konstruktiven, multiperspektivischen Dialoges und eines gemeinsamen Aushandelns von Themen, um trotz, oder gerade aufgrund unserer unterschiedlichen Hintergründe zusammen Verantwortung zu übernehmen!

 

Zur Person

Isabel Maria Finkenberger, Stadtplanerin BDA, ist Professorin für Stadtplanung, Transformation und Prozessgestaltung am Fachbereich Architektur und Mitglied des Vorstands des ISCE|Institute of Smart City Engineering der FH Aachen. In ihrem Lehr- und Forschungsschwerpunkt Zukunftsfähige Transformation denkt sie transformative Forschung und angewandte Lehre zusammen und verhandelt diese in interdisziplinären Netzwerken, mit lokalen Akteuren und der Zivilgesellschaft an konkreten Orten – insbesondere im Rheinischen Revier und der Euregio Maas-Rhein. Sie ist Gründerin von STUDIO if+ in Köln und engagiert sich außerdem im A4F-Hochschulnetzwerk „Gemeinsam für die Bauwende“ und beim Hochschultag der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes.

Redaktion: Timo Klippstein

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