Das UmBauLabor wird zum Experimentierfeld für neue Formen des Wohnens im Bestand.
Das UmBauLabor wird zum Experimentierfeld für neue Formen des Wohnens im Bestand. Foto: Tania Reinicke

3 Preise im Wettbewerb „Raum im Raum“ – Gemeinschaft im Fokus

Baukultur NRW hat in Kooperation mit dem Social Impact Studio der Hochschule Düsseldorf / Peter Behrens School of Arts den studentischen Wettbewerb „Raum im Raum“ ausgelobt. Für eine 3-Raum-Wohnung im UmBauLabor entwickelten Studierende Konzepte, die von einer Jury ausgezeichnet wurden. Die Arbeiten werden nun für eine Umsetzung weiterentwickelt.

Wie lässt sich bestehender Wohnraum so transformieren, dass er heutigen Lebensrealitäten gerecht wird? Mit dieser Frage hat sich der studentische Wettbewerb „Raum im Raum“ beschäftigt. Nun hat die Jury drei Preise vergeben. Ausgelobt von Baukultur Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit dem Social Impact Studio der Hochschule Düsseldorf / Peter Behrens School of Arts (PBSA), nahm der Wettbewerb eine klassische 3-Raum-Küche-Diele-Bad-Wohnung im UmBauLabor in Gelsenkirchen zum Ausgangspunkt.

Großes Interesse, intensive Diskussion: die Jury des Wettbewerbs „Raum im Raum“ bei der Arbeit in der Werkstatt der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf. Foto: Leyla Oduncu
Großes Interesse, intensive Diskussion: die Jury des Wettbewerbs „Raum im Raum“ bei der Arbeit in der Werkstatt der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf. Foto: Leyla Oduncu
Gesucht waren Konzepte für junge Menschen – Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger*innen. Gefordert war ein sensibler Umgang mit dem Bestand, ressourcenschonendes Bauen sowie eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit. 23 studentische Arbeiten wurden eingereicht. Die Spannweite reichte vom minimalinvasiven Möbeleingriff bis zur grundlegenden Neuorganisation der Typologie – und zeigte ausdrücklich, welches Potenzial in einer scheinbar festgelegten Grundrissstruktur steckt.

Gemeinschaft als Schlüsselelement für junges Wohnen 

Die Jurysitzung fand in der Werkstatt der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf statt. Zwischen Modellen, Plänen und Materialproben wurde intensiv diskutiert – konzentriert, sachlich und mit großem Interesse an den unterschiedlichen Entwurfsansätzen. Schnell zeigte sich eine gemeinsame inhaltliche Klammer: Alle Projekte setzten sich mit der Frage auseinander, welche gemeinschaftlichen Räume innerhalb der privaten Wohnung gebraucht werden.

Gemeinschaft wurde dabei weniger als zusätzlicher Raum verstanden, sondern als Frage der räumlichen Organisation – also der Anordnung, Beziehung und Nutzbarkeit bestehender Flächen. Manche Entwürfe öffneten Wohn- und Essbereiche und stärkten den gemeinsamen Mittelpunkt. Andere entwickelten flexible Raum‑im‑Raum‑Systeme, die sich je nach Bedarf zuschalten oder zurücknehmen lassen. Wieder andere griffen tiefer ein und organisierten Küche, Bad oder Erschließung neu, um Begegnung gezielt zu ermöglichen.

Im Zentrum der Diskussion standen drei Aspekte:

  • das Verhältnis von Gemeinschaft und Privatheit,
  • die Angemessenheit des Eingriffs in den Bestand,
  • die soziale und wirtschaftliche Tragfähigkeit für den Standort Gelsenkirchen.

Deutlich wurde: Gemeinschaft entsteht nicht allein durch Fläche, sondern durch Struktur, Übergänge und Nutzungsangebote – entscheidend ist, wie Räume zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Drei prämierte Projekte

Aus der intensiven Auseinandersetzung wurden drei Arbeiten hervorgehoben, die das Thema auf unterschiedliche Weise überzeugend interpretierten.

Aus der intensiven Auseinandersetzung wurden drei Arbeiten hervorgehoben: „Raum für Gemeinschaft“, „Wohnen im Schrank“ und „Box im Raum“. Foto: Leyla Oduncu
Aus der intensiven Auseinandersetzung wurden drei Arbeiten hervorgehoben: „Raum für Gemeinschaft“, „Wohnen im Schrank“ und „Box im Raum“. Foto: Leyla Oduncu
„Raum für Gemeinschaft“ entwickelt ein robustes und alltagsnahes Wohnmodell. Durch gezielte Öffnungen und ein integriertes Einbaumöbel entstehen klar definierte Gemeinschaftszonen, ohne Rückzugsmöglichkeiten zu verlieren. Besonders hervorgehoben wurde die Ausrichtung auf alleinerziehende Eltern. Der Entwurf zeigt, wie durch eine kluge Neuorganisation des Bestands bezahlbarer Wohnraum mit gemeinschaftlicher Qualität entstehen kann.

„Wohnen im Schrank“ verfolgt einen experimentellen Ansatz. Ein transformierbares Möbelelement bündelt Funktionen wie Schlafen, Arbeiten und Stauraum und macht den Raum flexibel nutzbar. Gemeinschaft entsteht hier über Veränderbarkeit – die Möglichkeit, Räume situativ zu öffnen oder zu konzentrieren. Der offene Grundriss schafft neue Formen gemeinschaftlichen Wohnens.

„Box im Raum“ setzt auf eine strukturelle Neuordnung. Durch die veränderte Positionierung von Bad und Küche entsteht eine neue Erschließung, die die Küche als sozialen Mittelpunkt stärkt. Der Entwurf hinterfragt gewohnte Hierarchien und zeigt, wie Typologie selbst zum Werkzeug gemeinschaftlicher Organisation werden kann. Der reduzierte Eingriff eröffnet den verbleibenden Räumen Spielraum für individuelle Aneignung.

In ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sich die drei Ansätze: sozial orientiert, experimentell und typologisch transformativ. Keines der Konzepte versteht sich als fertige Lösung – gemeinsam bilden sie vielmehr eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung.

Vom Wettbewerb zur Umsetzung

Der Wettbewerb versteht sich ausdrücklich als Prozess und Auftakt. Auf Basis der Ergebnisse entwickeln Masterstudierende der Peter Behrens School of Arts gemeinsam mit dem Social Impact Studio eine Ausführungsplanung. Im nächsten Schritt folgen Detailplanung, Materialwahl und statische Überlegungen mit dem Ziel, bis Ende Juli 2026 umsetzungsreife Pläne zu erarbeiten. Dabei bleibt der Einsatz wiederverwendeter Materialien zentral. Die bauliche Umsetzung soll voraussichtlich im August 2026 im UmBauLabor starten.

Der Blick richtet sich damit bereits auf die nächste Phase: auf gebaute Räume, handwerkliche Umsetzung und die Erkenntnisse, die erst im Prozess sichtbar werden.

Über die Jury

Die Jury spiegelte die inhaltliche Breite des Wettbewerbs wider – von Wohnungswirtschaft über Architektur und Lehre bis hin zu Handwerk und Baukultur:

  • Alexander Rychter, Vorstand und Verbandsdirektor, Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen
  • Christoph van Gemmeren, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Prof. Judith Reitz, Social Impact Studio, Fachbereiche Architektur & Design Peter Behrens School of Arts / Hochschule Düsseldorf, In-Lust-Institut
  • Prof. Achim Pfeiffer, Böll Architekten, Professur Entwerfen und Konstruieren / Bauen im Bestand, Hochschule Bochum
  • Prof. Dr. Natascha Schlömer, Architektin und Studiengangsleiterin Real Estate Management, ISM International School of Management Dortmund
  • Miriam Hamel, Juniorprofessorin für Prozessarchitektur, Alanus Hochschule
  • Sarah Dungs, Greyfield Group, 1. Vorsitzende Verband Bauen im Bestand
  • Mario Heinemann, Handwerkskammer Münster
  • Peter Köddermann, Geschäftsführer Programm, Baukultur NRW
  • Isabelle Bothe, Referentin für Bauen, Umwelttechnik und Normung, Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen

Kooperationspartner

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Santana Gumowski

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Projektmanagerin UmBauLabor

T 0209 402 441-27
Anna Dietrich

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