Pflanzen statt Steine: So geht das Abpflastern.
Pflanzen statt Steine: So geht das Abpflastern. Foto: Sora/ Chat GPT

Emsdetten, Metelen, Greven – NRWs Norden pflastert ab!

Die mittelgroße Stadt Emsdetten und die Kleinstadt Metelen belegen für ihre Größe die ersten beiden Plätze bei „abpflastern“, dem deutschlandweiten Wettbewerb zur Entsiegelung. Aber worum geht es bei diesem Wettbewerb und was treibt den Norden in NRW an?

Die Initiative

„Versiegelte Böden – etwa durch Pflastersteine, Asphalt oder Beton – sind ein Problem, sei es für das Wassermanagement, den Hitzeschutz oder den Naturschutz. Die damit verbundenen Risiken und Kosten bleiben oft ebenso unsichtbar wie mögliche Alternativen“, schreibt die Initiative von Studierenden auf ihrer Website www.abpflastern.de.

Damit ruft sie zur Entsiegelung von Flächen auf und veranstaltet dazu einen Wettbewerb. Unter dem Motto „Wer pflastert am meisten ab? Jeder Quadratmeter zählt“ setzen sie sich so für mehr Klimaanpassung in den Städten ein. Es ist ein Wettbewerb, der vor allem Städte in NRWs Norden anzusprechen scheint: Nach aktuellem Stand sind 8 der insgesamt 18 deutschlandweit teilnehmenden Städte aus NRW, wovon 5 (Nordkirchen, Münster, Emsdetten, Metelen und Greven) eher im nördlichen Bereich unseres Bundeslandes liegen.

Der Wettbewerb

Wie funktioniert das Abpflastern? Städte und Gemeinden, die Interesse haben mitzumachen, melden sich auf der oben genannten Website an und reichen durch eine Fotodokumentation ihre Entsiegelungen ein. Dabei kann es sich um entfernte Pflastersteine, Gehwegplatten oder auch Teerdecken handeln, die Hauptsache ist, dass mehr offenliegender Boden entsteht. Dadurch kann mehr Regenwasser versickern und der Boden heizt sich weniger auf.

Am besten ist es natürlich, wenn der entsiegelte Bereich dann noch begrünt wird – das steht zwar nicht in den Spielregeln, bringt allerdings nur noch mehr Vorteile mit sich. Je nach Größe der Fläche kommen dafür Saatmischungen (gibt es beispielsweise bei Abpflaster-Events mit dem Titel „bodenlos glücklich“ oder im Pflanzen- /Baumarkt), Stauden oder auch kleine Rankgerüste oder bodengebundene Fassadenbegrünungen infrage. Zu Letzterem gibt es auch eine Hilfestellung auf der Abpflaster-Website.

Pflanzen statt Steine

In Münster wurden beispielsweise 36 Bodenplatten auf einem Schulhof entfernt und zwei Rankhilfen (Fächerspalier) an der Wand angebracht. So wachsen nun einige Stauden und zwei Kletterpflanzen auf der entsiegelten Fläche und tragen zu einem besseren Mikroklima bei.

Weitere 18 Pflastersteine wurden durch den Verein Grün statt Grau e. V. im Kreuzviertel abgepflastert. Dort blüht und rankt es nun ebenfalls auf zusammengerechnet etwa einem entsiegelten Quadratmeter.

Abpflastern in Münster: aufstemmen Teil 1. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: aufstemmen Teil 1. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: aufstemmen Teil 2. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: aufstemmen Teil 2. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Steine entfernen. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Steine entfernen. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Beet vorbereiten. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Beet vorbereiten. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Rankhilfen befestigen. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Rankhilfen befestigen. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Blumen genießen. Foto: Grün statt Grau e. V.
Abpflastern in Münster: Blumen genießen. Foto: Grün statt Grau e. V.

Weiter zum Ablauf des Wettbewerbs: Die eingereichten Dokumentationen der Aktionen werden dann geprüft und die Kommunen entsprechend der entsiegelten Fläche daraufhin in ein Ranking eingeordnet. Dafür sind die teilnehmenden Städte in drei Ligen eingeteilt, die anhand der Anzahl der Einwohner*innen ermittelt wird (Liga Groß, Liga Mittel, Liga Klein).

Plakat der Aktion „abpflastern“.
Plakat der Aktion „abpflastern“.
Auch Einzelpersonen, Gruppen, Schulklassen, Unternehmen oder Vereine können ihr Abpflastern einreichen – alle sind eingeladen daran teilzunehmen, denn: Umso mehr wir entsiegeln, desto besser geht es unserem Lebensraum, desto weniger Hitze staut sich in unseren Städten, Wasser versickert besser und desto gesünder sind Mensch und Stadt.

Die Aktion hat im März 2025 begonnen und geht bis einschließlich 31. Oktober 2025. Im November ehrt die Initiative dann die Sieger-Projekte.
Also ran an die Pflastersteine und abpflastern – frei nach dem Motto: Weniger Steine, mehr Leben!

Die aktuelle Platzverteilung

Auffallend ist, dass Freiburg im Ranking zwar den ersten Platz der Liga G belegt, NRW aber durchaus eine gute Figur beim Abpflastern abgibt (vor allem, was die Städte in Liga M und K anbelangt): 

Nach aktuellem Stand (Ende Juli 2025) liegt Emsdetten auf Platz 1 der mittleren Liga (Kategorie 20.000 – 100.000 Einwohner*innen) mit insgesamt 6.700 abgepflasterten Steinen. Dicht gefolgt vom ersten Platz der darunterliegenden Liga (bis 20.000 Einwohner*innen): Metelen. Umgerechnet hat Metelen pro 1.000 Einwohner*innen sogar am meisten abgepflastert (456 / 1.000 Menschen).

Betrachtet man die gesamte Liste der Teilnehmenden sind 8 von 18 Städten (inklusive Vereinen und Initiativen aus den Städten) aus NRW (Stand Ende Juli 2025). Wie kommt es dazu? Hat es NRW so nötig? Ist das Engagement hier besonders hoch?

Schaut man sich NRW an, wird deutlich: Es ist ein sehr versiegeltes Land. Das liegt an der dichten Besiedelung, Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet und den Verkehrsflächen. Laut LANUK ist gut 10 Prozent von NRWs Gesamtfläche versiegelt. Das klingt vielleicht nicht besonders viel, doch im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das ein recht hoher Prozentsatz. Doch warum scheinen gerade die Menschen in den Kleinstädten von NRW alles zu geben?

Schauen wir uns das Beispiel Emsdetten einmal genauer an: Die Stadt ruft in Zusammenarbeit mit dem Kreis Steinfurt zum Entsiegelungs-Wettbewerb auf und ermutigt seine Bürger*innen zum Abpflastern. Das geschieht nach aktuellem Stand vor allem in privaten Vorgärten und auf dem Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule.

Wir haben mit Dajana Prinz, Umweltmanagerin der Stadt Emsdetten, gesprochen und gefragt, wie sie auf den Wettbewerb aufmerksam geworden sind und ihn unterstützen: „Das liegt eigentlich an meinem Kollegen Carsten Rech vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt, der sich sehr für diesen Wettbewerb stark macht und den Kommunen Unterstützung vom Kreis anbietet. Er hat in Terminen vorgestellt, wie der Abpflaster-Wettbewerb funktioniert sowie Informationen und Ideen gesammelt. Bei der Stadt Emsdetten ist Entsiegelung schon lange ein Thema, es muss sich aber noch mehr tun und so waren wir schnell der Meinung, dass wir daran teilnehmen möchten.“

Eine Entsiegelungsaktion der Stadt Emsdetten 2023: Hier wurde ein unnötiger Gehweg entsiegelt ... Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
Eine Entsiegelungsaktion der Stadt Emsdetten 2023: Hier wurde ein unnötiger Gehweg entsiegelt ... Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
und ein naturnahes Beet angelegt ... Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
und ein naturnahes Beet angelegt ... Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
... und mit Totholz, Steinen und Sandflächen ausgestattet. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
... und mit Totholz, Steinen und Sandflächen ausgestattet. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten

Dajana Prinz erklärt sich so auch die hohe Teilnahme von anderen kleineren Städten aus NRWs Norden: „Das ist sicherlich alles der unterstützenden Arbeit des Kreis Steinfurt und im Besonderen Herrn Rech zu verdanken!“ 

Die Stadt Emsdetten unterstützt durch die Förderung proKLIMA, die es schon seit einigen Jahren gibt, mit 50 Euro pro entsiegelten Quadratmeter und stellt kostenfrei an einer beliebigen Adresse einen Container für Pflastersteine und Ähnliches zur Verfügung. Und die Entsorgung übernimmt die Stadt auch noch. Dabei sei die Nachfrage laut der Umweltmanagerin sehr hoch. Einfach eine E-Mail mit den Daten an senden und dann müssen sich die Teilnehmer*innen um nichts weiter kümmern.

„Momentan ist die Nachfrage sogar so hoch, dass es mittlerweile eine Warteschlange gibt“, so Prinz. Aktuell sind es mehr private Vorgärten, die sich an dem Wettbewerb beteiligen, aber es kommen weitere städtische Flächen dazu: „In den Sommerferien werden noch zwei weitere Schulhöfe durch eine KfW-Förderung entsiegelt. Vereinzelt wird der Baubetriebshof auch noch weitere kleine Flächen abpflastern. Dazu eignen sich beispielsweise Baumscheiben, wenn dort eh kleinere Eingriffe vorgenommen werden.“

Eine aktuelle Entsiegelungsaktion der Geschwister-Scholl-Schule Emsdetten im Zuge des Abpflaster-Wettbewerbs. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
Eine aktuelle Entsiegelungsaktion der Geschwister-Scholl-Schule Emsdetten im Zuge des Abpflaster-Wettbewerbs. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
Die Fläche wird noch bepflanzt, die Schülerinnen und Schüler nutzen den Zaun im Schatten laut der Schulleitung bereits jetzt sehr gerne. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten
Die Fläche wird noch bepflanzt, die Schülerinnen und Schüler nutzen den Zaun im Schatten laut der Schulleitung bereits jetzt sehr gerne. Foto: Dajana Prinz, Stadt Emsdetten

Aus welchen Gründen auch immer – wir freuen uns auf alle Fälle, dass im Norden NRWs und im gesamten Bundesland rege abgepflastert wird! Wer noch nicht teilnimmt, kann es noch bis 31.10.2025 machen, denn wie gesagt: Jeder Stein und jede Fläche zählen!

Und wer noch einen letzten Ansporn braucht, schaue sich dieses Video an – die Niederlande pflastern schon länger ab und machen es uns (sehr amüsant) vor.

Weiterführende Links:

https://www.emsdetten.de/bauen-wohnen-umwelt-verkehr/neuigkeiten/2025/mitmachen-und-in-emsdetten-abpflastern/

https://allesdetten.de/abpflastern-kostenlose-abholung-von-pflaster-und-schottersteinen/

https://www.emsdetten.de/bauen-wohnen-umwelt-verkehr/neuigkeiten/2025/460-quadratmeter-flaeche-in-emsdetten-entsiegelt/

https://service.emsdetten.de/suche/-/egov-bis-detail/dienstleistung/128382/show #abpflastern

https://www.energieland2050.de/entsiegeln/

https://www.energieland2050.de/garten/

Ansprechpartnerin Emsdetten:
Dajana Prinz, Umweltmanagerin, Fachdienst 61, Stadtentwicklung und Umwelt
Stadt Emsdetten
Telefon: 02572 922-504
E-Mail:

Ihre Kontakte für diesen Bereich

Annika Stremmer

Annika Stremmer

Redaktion Best-Practice-Projekte Grüne Städte und Regionen

T 0209 402 441-28
Fenna Tinnefeld

Fenna Tinnefeld

Redaktion Best-Practice-Projekte Grüne Städte und Regionen

T 0209 402441-21
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