Die Initiative
„Versiegelte Böden – etwa durch Pflastersteine, Asphalt oder Beton – sind ein Problem, sei es für das Wassermanagement, den Hitzeschutz oder den Naturschutz. Die damit verbundenen Risiken und Kosten bleiben oft ebenso unsichtbar wie mögliche Alternativen“, schreibt die Initiative von Studierenden auf ihrer Website www.abpflastern.de.
Damit ruft sie zur Entsiegelung von Flächen auf und veranstaltet dazu einen Wettbewerb. Unter dem Motto „Wer pflastert am meisten ab? Jeder Quadratmeter zählt“ setzen sie sich so für mehr Klimaanpassung in den Städten ein. Es ist ein Wettbewerb, der vor allem Städte in NRWs Norden anzusprechen scheint: Nach aktuellem Stand sind 8 der insgesamt 18 deutschlandweit teilnehmenden Städte aus NRW, wovon 5 (Nordkirchen, Münster, Emsdetten, Metelen und Greven) eher im nördlichen Bereich unseres Bundeslandes liegen.
Der Wettbewerb
Am besten ist es natürlich, wenn der entsiegelte Bereich dann noch begrünt wird – das steht zwar nicht in den Spielregeln, bringt allerdings nur noch mehr Vorteile mit sich. Je nach Größe der Fläche kommen dafür Saatmischungen (gibt es beispielsweise bei Abpflaster-Events mit dem Titel „bodenlos glücklich“ oder im Pflanzen- /Baumarkt), Stauden oder auch kleine Rankgerüste oder bodengebundene Fassadenbegrünungen infrage. Zu Letzterem gibt es auch eine Hilfestellung auf der Abpflaster-Website.
Pflanzen statt Steine
In Münster wurden beispielsweise 36 Bodenplatten auf einem Schulhof entfernt und zwei Rankhilfen (Fächerspalier) an der Wand angebracht. So wachsen nun einige Stauden und zwei Kletterpflanzen auf der entsiegelten Fläche und tragen zu einem besseren Mikroklima bei.
Weitere 18 Pflastersteine wurden durch den Verein Grün statt Grau e. V. im Kreuzviertel abgepflastert. Dort blüht und rankt es nun ebenfalls auf zusammengerechnet etwa einem entsiegelten Quadratmeter.
Weiter zum Ablauf des Wettbewerbs: Die eingereichten Dokumentationen der Aktionen werden dann geprüft und die Kommunen entsprechend der entsiegelten Fläche daraufhin in ein Ranking eingeordnet. Dafür sind die teilnehmenden Städte in drei Ligen eingeteilt, die anhand der Anzahl der Einwohner*innen ermittelt wird (Liga Groß, Liga Mittel, Liga Klein).
Die Aktion hat im März 2025 begonnen und geht bis einschließlich 31. Oktober 2025. Im November ehrt die Initiative dann die Sieger-Projekte.
Also ran an die Pflastersteine und abpflastern – frei nach dem Motto: Weniger Steine, mehr Leben!
Die aktuelle Platzverteilung
Auffallend ist, dass Freiburg im Ranking zwar den ersten Platz der Liga G belegt, NRW aber durchaus eine gute Figur beim Abpflastern abgibt (vor allem, was die Städte in Liga M und K anbelangt):
Betrachtet man die gesamte Liste der Teilnehmenden sind 8 von 18 Städten (inklusive Vereinen und Initiativen aus den Städten) aus NRW (Stand Ende Juli 2025). Wie kommt es dazu? Hat es NRW so nötig? Ist das Engagement hier besonders hoch?
Schaut man sich NRW an, wird deutlich: Es ist ein sehr versiegeltes Land. Das liegt an der dichten Besiedelung, Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet und den Verkehrsflächen. Laut LANUK ist gut 10 Prozent von NRWs Gesamtfläche versiegelt. Das klingt vielleicht nicht besonders viel, doch im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das ein recht hoher Prozentsatz. Doch warum scheinen gerade die Menschen in den Kleinstädten von NRW alles zu geben?
Schauen wir uns das Beispiel Emsdetten einmal genauer an: Die Stadt ruft in Zusammenarbeit mit dem Kreis Steinfurt zum Entsiegelungs-Wettbewerb auf und ermutigt seine Bürger*innen zum Abpflastern. Das geschieht nach aktuellem Stand vor allem in privaten Vorgärten und auf dem Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule.
Wir haben mit Dajana Prinz, Umweltmanagerin der Stadt Emsdetten, gesprochen und gefragt, wie sie auf den Wettbewerb aufmerksam geworden sind und ihn unterstützen: „Das liegt eigentlich an meinem Kollegen Carsten Rech vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt, der sich sehr für diesen Wettbewerb stark macht und den Kommunen Unterstützung vom Kreis anbietet. Er hat in Terminen vorgestellt, wie der Abpflaster-Wettbewerb funktioniert sowie Informationen und Ideen gesammelt. Bei der Stadt Emsdetten ist Entsiegelung schon lange ein Thema, es muss sich aber noch mehr tun und so waren wir schnell der Meinung, dass wir daran teilnehmen möchten.“
Dajana Prinz erklärt sich so auch die hohe Teilnahme von anderen kleineren Städten aus NRWs Norden: „Das ist sicherlich alles der unterstützenden Arbeit des Kreis Steinfurt und im Besonderen Herrn Rech zu verdanken!“
Die Stadt Emsdetten unterstützt durch die Förderung proKLIMA, die es schon seit einigen Jahren gibt, mit 50 Euro pro entsiegelten Quadratmeter und stellt kostenfrei an einer beliebigen Adresse einen Container für Pflastersteine und Ähnliches zur Verfügung. Und die Entsorgung übernimmt die Stadt auch noch. Dabei sei die Nachfrage laut der Umweltmanagerin sehr hoch. Einfach eine E-Mail mit den Daten an senden und dann müssen sich die Teilnehmer*innen um nichts weiter kümmern.
„Momentan ist die Nachfrage sogar so hoch, dass es mittlerweile eine Warteschlange gibt“, so Prinz. Aktuell sind es mehr private Vorgärten, die sich an dem Wettbewerb beteiligen, aber es kommen weitere städtische Flächen dazu: „In den Sommerferien werden noch zwei weitere Schulhöfe durch eine KfW-Förderung entsiegelt. Vereinzelt wird der Baubetriebshof auch noch weitere kleine Flächen abpflastern. Dazu eignen sich beispielsweise Baumscheiben, wenn dort eh kleinere Eingriffe vorgenommen werden.“
Aus welchen Gründen auch immer – wir freuen uns auf alle Fälle, dass im Norden NRWs und im gesamten Bundesland rege abgepflastert wird! Wer noch nicht teilnimmt, kann es noch bis 31.10.2025 machen, denn wie gesagt: Jeder Stein und jede Fläche zählen!
Und wer noch einen letzten Ansporn braucht, schaue sich dieses Video an – die Niederlande pflastern schon länger ab und machen es uns (sehr amüsant) vor.
Weiterführende Links:
https://allesdetten.de/abpflastern-kostenlose-abholung-von-pflaster-und-schottersteinen/
https://service.emsdetten.de/suche/-/egov-bis-detail/dienstleistung/128382/show #abpflastern
https://www.energieland2050.de/entsiegeln/
https://www.energieland2050.de/garten/
Dajana Prinz, Umweltmanagerin, Fachdienst 61, Stadtentwicklung und Umwelt
Stadt Emsdetten
Telefon: 02572 922-504
E-Mail: