„Was sind die Gründe, warum wir keine Wende in der Nutzung von Ressourcen im Umbau und in der Wiederverwendung von Materialien haben?“
Das war eine der Einstiegsfragen von Peter Köddermann, Geschäftsführer Programm von Baukultur NRW, in die Zukunftsarena „Kreisläufe des Bauens in der Praxis. Umsetzungsangebote für Kommunen“. Die Veranstaltung am Mittwoch, 16. September 2026, auf dem Zanders-Areal in Bergisch-Gladbach war Teil des 19. Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik, der von Montag, 14. Septenber, bis Mittwoch, 16. September, in Köln stattfand.

Die Zukunftsarena fand auf dem Zanders-Areal nicht ohne Grund statt. Als große innerstädtische Konversionsfläche auf 36 Hektar und mit 150 Gebäuden macht das Areal genau das zum Thema, was auch Inhalt der Zukunftsarena war: zirkuläres Bauen, Ressourcenschonung und nachhaltige Stadtentwicklung.

In der ehemaligen Zentralwerkstatt lag der Fokus besonders auf den Kommunen: Welche Rolle nehmen sie auf dem Weg zu einem Planen und Bauen ein, das an Kreisläufen ausgerichtet ist? Und wie lässt sich das zirkuläre Bauen weiter verbreiten? Um dies zu diskutieren, hatte Baukultur NRW Fachleute aus dem In- und Ausland zum Austausch eingeladen.
Stephan Mayer vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen wies zu Beginn auf Rahmenbedingungen und die im Jahr 2024 veröffentlichten „Baukulturellen Leitlinien des Bundes“ hin, die auch das zirkuläre Bauen – zunächst für den Bundesbau bindend – voranbringen sollen. Als Vorbild und Impuls für die Länder und Kommunen.
In ihrer Keynote nahm Prof. Dr. Anja Rosen von der FH Münster die Teilnehmer*innen mit auf eine Reise durch die Praxis des zirkulären Bauens. Unter anderem stellte sie ein Projekt in Korbach vor, in dem es um einen Rückbau des Rathauses ging. Auf Basis eines von ihr entwickelten Urban-Mining-Konzepts wurde die Stahlbetonkonstruktion selektiv zurückgebaut, um den so (wieder-)gewonnenen Beton für den Neubau des Rathauses zu nutzen.

Ein wirkliches Experiment stellte Anja Rosen mit einem weiteren Projekt vor: die Kreislkiste in Münster. In diesem Projekt hat sie mit der FH Münster und anderen Partner*innen ein Experimentallabor aus Re-Use-Materialien gebaut. Ziel war es zu erfahren, ob man das gesamte Gebäude aus wiedergenutzten Materialien bauen kann – auch die tragenden Bauteile.
Fassaden aus alten Feuerwehrschläuchen
Die Antwort lautet: Ja, die Zirkularität liegt dort sogar bei 100 Prozent. Stahlprofile entstammen vorheriger Verwendung und die Fassaden bestehen zum Teil aus ausgedienten LCD-Bildschirmen sowie alten Feuerwehrschläuchen. In diese hinein wurden Pflanzen gesetzt und durch die Schläuche floss Wasser. Die Beschwerung bestand aus gebrauchten Betonsteinen. Insgesamt lässt sich der Pavillon zerlegen und wieder aufbauen – zukünftig soll er von Stadt zu Stadt wandern und zeigen, was zirkulär so möglich ist.
Das Bauen verändert sich – und damit auch die Ästhetik
Der Vortrag machte deutlich: Das Bauen verändert sich deutlich. „Form follows availability“, sagte Rosen in Anlehnung an den berühmten Leitsatz aus Architektur und Design „form follows function“. Was für die Kreislkiste bedeutete: Die Studierenden haben zuerst die Materialien gesucht, dann den Vorentwurf gemacht, dann die Baugenehmigung beantragt, um darauf festzustellen, dass die Materialien inzwischen nicht mehr verfügbar waren. Das hatte eine Umplanung zu Folge. So dass der Pavillon anders aussieht, als ursprünglich gedacht.
Mit dem Beispiel verdeutlichte Rosen eine Tendenz. Mitunter verändert sich auch die Ästhetik eines Gebäudes, aber, so Rosen:
„Schönheit schützt nicht vor Abriss, wir müssen sie auch kreislauffähig machen.“
In den weiteren Gesprächsrunden ging es um die Rolle der Kommunen, um die Zirkularität als Partneraufgabe und um die Instrumente auf städtischer Ebene. Einige Schlaglichter:
Etwa diskutierten Dr. Uta Mense von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Stadt Hamburg und Beat Aeberhard, Leiter Städtebau & Architektur Kanton Basel-Stadt, mit Frank Steffens, CEO & Managing Director Brüninghoff. Steffens sah in der Wiederverwendung von Bauteilen den einzigen Weg, Baukosten zu senken. Mit Blick auf die Kosten sah Uta Mense einen Vorteil für die Zirkularität darin, dass diese in Zeiten von Lieferkettenengpässen Aufwind erhalte. Aeberhard plädierte beim zirkulären Bauen dafür, nicht weiter zu warten, sondern Mut zu haben, anzufangen.
Dieser Mut zu beginnen zog sich durch die Veranstaltung und wurde von vielen der Referent*innen in unterschiedlichen Variationen wiederholt. Die Diskussionen und der Austausch wurden rege geführt, auch mit dem Publikum, in dem Fachleute aus Architektur, Stadtplanung, Denkmalpflege, aber auch Initiativen wie „Architects For Future“ vertreten waren.
Neue Werte entdecken


Eine Rauminstallation mit Schwerpunkt auf Kreiswirtschaft – das ist die WandelWiese, ein Projekt der FH Dortmund. Sie stand mit zwei Modulen während der Veranstaltung in der Zentralwerkstatt und regte an, sich mit Biodiversität und nachhaltiger Stadtentwicklung zu beschäftigen. Bestehend aus modularen Elementen und zusammengesetzt aus Gerüststangen, sind in die Struktur Maschendraht und Wurzelvlies eingespannt. Zusammen dienen sie als Träger für eine biodiverse Mischung von Pflanzen. Außerdem gibt es mit Hängematte, Schaukel Sitz- und Aktionsflächen. Die WandelWiese zeigt, wie sich klimaangepasste Freiraumgestaltung temporär und ressourcenschonend umsetzen lässt. Dabei stammen die verwendeten Materialien überwiegend aus Recyclingprozessen oder aus Fehlproduktionen. Die Konstruktion ist robust, witterungsbeständig sowie vollständig rück- und umbaubar. Baukultur NRW hat das Projekt unterstützt.
Weitere Informationen: https://bestof-fb1.de/thesis/202636